Nordisches Flair am WW

Am Europatag (9. Mai) werden der Frieden und die Einheit in Europa gefeiert. Eine Feier, die in angespannten Zeiten durchaus Beachtung verdient. Das WW darf den finnischen Botschafter willkommen heissen.
Es ist der Jahrestag der Schuman-Erklärung: Am 9. Mai 1950 hielt der damalige französische Außenminister Robert Schuman in Paris eine Rede, in der er seine Vorstellung von einer neuen Form der politischen Zusammenarbeit in Europa erläuterte – eine Zusammenarbeit, die Kriege zwischen europäischen Nationen unvorstellbar machen sollte.
Seine Idee war die Schaffung einer europäischen Behörde, die die Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen und zentral verwalten würde. Knapp ein Jahr später wurde ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Schumans Vorschlag gilt als Auftakt zu dem, was heute die Europäische Union ist.
Unser Rektor heisst die Vertreter der finnischen Botschaft willkommen und betont die Wichtigkeit, miteinander im Austausch zu sein. Nur ein gegenseitiges Verständnis könne ein friedliches Zusammenleben gewährleisten. Ruhig, cool, gelassen – so präsentiere sich Finnland nach aussen, auch in Zeiten, die nicht immer nur Gutes verheissen.
In perfektem Deutsch berichtet der finnische Botschafter Valtteri Hirvonen aus seinem Heimatland. Die Geschichte Finnlands sei eng verknüpft mit der Historie seines grossen Nachbarn. Die Liste der Kriege zwischen Russland und Finnland sei lang – gegen keine andere Nation habe Finnland je einen bewaffneten Konflikt ausgetragen. Dies sei ein Grund, weshalb das Land der tausend Seen die Nähe zu Europa suche.
Seit 1995 sei das Land Mitglied der Europäischen Union. Und natürlich spiele der Handel mit den europäischen Partnern eine wichtige Rolle für Finnland, denn die meisten finnischen Güter werden ins Ausland exportiert.

Finnland hat 5.5 mio Einwohnerinnen und Einwohner – und für fast jeden stehe ein Bunkerplatz zur Verfügung. Der Ukraine-Krieg überschatte momentan alles. Der russische Angriff auf die Ukraine sei der entscheidende Impulsgeber dafür gewesen, dass sich Finnland von einem neutralen, blockfreien Staat zu einem Neumitglied der NATO geworden sei. Die Beziehung zu Russland sei geprägt von einem gegenseitigen Misstrauen. Es sei ein pragmatischer Entscheid gewesen, dem Nordatlantik-Pakt beizutreten. Mittlerweile seien nahezu sämtliche wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland gekappt.
Bezüglich Energie stellt der Botschafter fest, in Finnland gebe es in den langen Wintern wenig Wind und wenig Licht. Deshalb setze man auf Atomenergie. Auch, um sich von russischen Energien unabhängig zu machen. . Natürlich hoffe man in Finnland aber darauf, dass sich die Stimmung wieder verbessere. Momentan sei die 1300 Kilometer lange gemeinsame Grenze jedoch komplett geschlossen.
Zur Schweiz pflege das skandinavische Land gute Beziehungen. Sogar militärisch: Seit 70 Jahren gebe es einen Austausch zwischen den Offizieren Finnlands und der Schweiz. Es gebe zudem einige Gemeinsamkeiten, zum Beispiel habe auch Finnland mehrere Sprachen (Finnisch, Schwedisch und Samisch). Die politischen Systeme unterschieden sich jedoch komplett, da Finnland zentralistisch geprägt sei und die Provinzen nur über wenige Gestaltungsräume verfügten. Helsinki sage, wo es lang gehe.
Dies gelte auch für die Tätigkeitsorte der Botschafter: In jungen Jahren sei Valtteri Hirvonen nach Nordkorea entsandt worden. Er sei dankbar für das grosse Verständnis, das ihm seine Frau entgegenbringe, denn sie habe ihre Karriere aufgeben müssen, um ihren Mann begleiten zu können. Die ständigen Umzüge hätten natürlich grosse Auswirkungen auf die Familie, die vier Kinder hätten im Gegenzug eine globale Ausbildung erhalten.
Der Beruf als Botschafter sei naturgemäss sehr abwechslungsreich. Dies sei die grösste Freude, die diese Tätigkeit mit sich bringe. Man lerne interessante Leute und Orte kennen.
Auch für unsere Schule ist es jeweils sehr interessant und abwechslungsreich, wenn uns Botschafter besuchen kommen. Kiitos paljon!

Rg, 14.05.2024
Philipp Jordi
Herzlichen Dank für den netten Empfang sowie die Möglichkeit, mit Euch über Finnland, die EU und aktuelle (geo)politische und wirtschaftliche Themen zu sprechen.