SINNESTÄUSCHUNGEN

Einer spricht, keiner der wenigen Anwesenden hört zu. Stattdessen wird Zeitung gelesen. Oder gesurft. Telefoniert. Diskutiert. Das ist das Bild, das man bekommt, wenn man von der Tribüne des Nationalratssaales runteräugt ins mässig gefüllte Halbrund des Schweizer Parlaments. Aber ist das auch die Wahrheit?

„Die chillen ja nur rum …“

Zum Glück nicht. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier unserer Willensnation fühlen sich durchaus dem Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger verpflichtet, wie es eine Inschrift in der Kuppelhalle verordnet (Salus publica suprema lex esto). Und sie tun viel mehr, als der erste Eindruck glauben macht. Sie schwänzen nicht etwa die Plenumsdebatten und machen sich einen schönen Tag an der Aare – nein, sie nehmen derweil an Fraktions- oder Kommissionssitzungen teil, stellen sich den Fragen der Medien, haben Besprechungen mit den Bundesräten oder Angestellten des Bundes. Und manche empfangen Schulklassen.

So wie Christoph Eymann, ehemaliger Erziehungsdirektor unseres schönen Stadtkantons und seit 2015 Nationalrat. Sympathisch und kompetent steht er uns (I3a) Rede und Antwort, begründet nachvollziehbar, weshalb er als liberaler Geist die Legalisierung von Cannabis ablehnt und warum er will, dass Ärzte sich des Eides (Hippokrates), den sie geschworen haben, stets bewusst sind. Zudem zeigt sich der LDP-Politiker von seiner grünen Seite: Eymann engagiert sich für den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen sowie für Gebäudesanierungen im Sinne der Energieeffizienz. Und er zeigt sich stolz, dass sein einstmaliger Vorschlag (der Passus „nachhaltige Entwicklung“) schon 1999 Eingang gefunden hat in die Bundesverfassung (1. Titel: Allgemeine Bestimmungen; Artikel 2, Zweck).

„… und machen sich ein schönes Leben auf unsere Kosten!“

Natürlich bekommt Dr. Christoph Eymann für seine Arbeit Geld.  Sein Job ist reich an Verantwortung, an Pflichten, an Terminen. Ratsmitglieder werden dafür entlöhnt. Dass Politiker in der Schweiz alleine wegen ihrer Tätigkeit unermesslich reich werden, gehört jedoch ins Reich der Legenden. Der Parlamentsbetrieb kostet insgesamt 106 Millionen Franken pro Jahr. Das ist weniger, als Juve 2018 für Ronaldo hingeblättert hat … Das politische Leben in Bern kostet jede Einwohnerin und jeden Einwohner in der Schweiz also 13 Franken im Jahr. Oder 4 Rappen pro Tag. Das sollte es uns wert sein.

Quelle: https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/cristiano-ronaldo-cr7-bond-bringt-juventus-turin-175-millionen-euro-a-1253207.html (11.09.2019)

„Okay, aber dann macht mal vorwärts!“

Das Schweizer Modell ist langsam. Dies bestätigt auch Nationalrat Eymann. Dies sei aber genau seine Stärke, meint der Basler Jurist. Denn anders als zum Beispiel in den USA würden Beschlüsse des Parlaments nur selten ausgehebelt und revidiert. Dies, weil zuvor das Thema gründlich unter Beteiligung aller Seiten durchdiskutiert und auf Herz und Nieren geprüft worden sei. Und vor allem, weil das Schweizer Modell von Kopf bis Fuss auf Konsensorientierung ausgerichtet sei. Dies sei langatmig, schaffe aber Beständigkeit und Stabilität.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch in diesem Jahr war unser Ausflug ins politische Bern im Rahmen des traditionellen Staatskundetages eine kleine Erleuchtung. Auch bei nicht ganz so vollen Plenarsälen.

Rg

 

 

 

 

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